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Leidenschaft – Sind Leidenschaft und Lebensfreude Teil deines beruflichen Alltags?

Mein Ziel an diesem langen Sommertag war ein von der Welt vergessenes Dorf im Strandza Gebirge in Bulgarien. Ich fuhr die ganze Nacht mit dem Zug von Sofia nach Burgas und danach ungefähr vier Stunden mit dem Bus zu dem kleinen Dorf, um die Familie zu besuchen, die einen Brief an meine Zeitung geschickt hatte.

Die Familie – Mann, Frau und zwei Kinder – war aus einer Großstadt umgezogen und hatte sich dem Programm für die Re-Urbanisierung der Dörfer angeschlossen. Es gab viele verlassene Häuser in den Dörfern, die Menschen drängten in die Städte. Die Landwirtschaft stieß an ihre Grenzen. Selbst die stets durch eine rosarote Brille blickende sozialistische Regierung bemerkte in den 80er Jahren, dass sie etwas tun muss, um der eigenen Landwirtschaft unter die Arme zu greifen.

Die Familie von Velko und Rada war wegen des Klimas umgezogen. Eines ihrer Kinder hatte Asthma, und die beiden waren einer Empfehlung der Ärzte gefolgt. Sie schlossen sich dem Programm für das Strandza Gebirge an und gingen weg. Der Maschinenbauingenieur war zum Landwirt geworden und freute sich bereits auf seine ersten Erfolge im neuen Beruf.

Was haben die Berge Bulgariens mit beruflicher Leidenschaft zu tun?

Jetzt wollte er mir in den frühen Stunden des Morgens voller Enthusiasmus die Ernte zeigen.

Das Feld war groß und wir standen am Rand, als uns eine große Maschine entgegenkam. Der Staub um die Maschine wurde schließlich transparenter und ich konnte einen Traktor erkennen. Der Traktor nährte sich uns. Mir schien, dass kein Mensch darinsitzt. Ich rieb mit der Hand meine Augen und versuchte erneut, den Fahrer zu erkennen. Vergeblich! Ich schaute Velko überrascht und erschrocken an!  

Erst in zwei Metern Entfernung sah ich einen kleinen Kopf: der neunjährige Victor steuerte den Traktor in der Frühe dieses wunderbaren Morgens.

Lebensfreude oder Leidenschaft – frage ich mich heute, wenn ich an diese zwei Menschen denke. Ein Altersunterschied von etwas über 20 Jahren lag zwischen den beiden, aber die Blicke von Vater und Sohn ähnelten einander.

Verbunden von einem Gefühl, getrieben von der gleichen Leidenschaft etwas zu schaffen und weiterzugehen…

Leidenschaft bedeutet Energie und Liebe zum Beruf!

Aber was genau macht aus uns ganz normalen Menschen solche Energiebündel?

Die Lebensfreude weckt den Mut und die Kraft stärkt unseren Willen so, dass wir nicht merken, dass der Arbeitstag zu Ende geht und die Zeit für Ruhe bereits gekommen ist. Sind wir in diesem Fall „Arbeitstiere“ oder „Workaholics“, die das Leben nicht zu schätzen wissen und dabei Tag für Tag etwas verlieren in diesem sinnlosen Wettbewerb mit uns selbst?

Nein! Das sind wir nicht, solange wir dabei die Sonne im Herzen tragen und selbst nach Eintritt der Müdigkeit den Arbeitstag mit einem Lächeln verabschieden.

Wir sind Menschen, die es einfach lieben, etwas für uns und andere Menschen zu entwickeln, aufzubauen und Spuren zu hinterlassen. Die Freude an diesem Prozess ist der Beweis dafür, dass die Tätigkeit die wir ausüben, keine automatisierte Routine ist, sondern eine kreative Tat, die unsere Kenntnisse mit Leidenschaft bündelt.

Diese Leidenschaft besteht aus der Freude, Neugier und dem Wunsch danach uns selbst weiter zu entdecken und diese Freude weiterzutragen. Die Freude unseres Lebens.

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