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Prof. Dr. Leif Erik Wollenweber: Lernst Du in der Zeit, kannst Du in der Not

Als wir in Europa noch zumeist Bauern waren, wussten wir: „sparst Du in der Zeit, hast Du in der Not“. Doch heute kommt es weniger auf das Haben und mehr auf das Können an. Deshalb: „Lernst Du in der Zeit, kannst Du in der Not.“ Es gilt „Wissen ist Gold“. Es ist eine global gültige Währung, inflationssicher, nicht besteuerbar und von keiner Zollkontrolle aufzuhalten.

Sich auf seinem Wissen und Können auszuruhen wäre jedoch sträflich. Wer aber gezielt und entschlossen in seine Fähigkeiten investiert, dem steht die Welt offen. Buchstäblich. Ehemalige Studenten schreiben mir aus Singapur, Sydney, San Francisco, Kapstadt, Kabul oder New York. Sie arbeiten für Unternehmen wie Apple, Microsoft, Google oder Gucci.

Drei Gründe, warum Qualifizierung immer wichtiger wird 

Aus zuvorderst drei Gründen sollten wir alle, vom Top-Manager oder Hochschulprofessor bis zum Handwerker oder Facharbeiter, unsere Qualifizierung als höchste berufliche Priorität verfolgen.

Erstens, außer den Beamten ist niemand wirklich krisensicher. Die Geschichte lehrt, nichts dauert ewig. Kein Abschwung, aber auch kein Aufschwung. Die Finanzkrise 2008 wurde nicht durch tiefgreifende Reformen durchgestanden, sondern durch historisch niedrige Zinsen und ein beispielloses Fluten der Märkte mit frischem Papiergeld. Was sollen die Notenbanken und Staaten tun, wenn erneut die Blase platzt? Kein Unternehmen hat da eine Existenzgarantie. In dem – leider nicht so unwahrscheinlichen – schlechtesten Szenario sind diejenigen gut beraten, die mehrere Fremdsprachen beherrschen und weder auf ein Land noch auf eine Branche festgelegt sind. Grundlegende BWL-Kenntnisse sind deshalb gut, verhandlungssicheres Englisch ist ein Muss, eine weitere Fremdsprache wie Spanisch, Chinesisch oder Arabisch ein großer Vorteil.

Zweitens nimmt die Digitalisierung gerade erst Fahrt auf. Sie wird viele Berufsbilder hinwegfegen und mit ihnen auch zahlreiche Arbeitsplätze. Diejenigen, für die neue Jobs entstehen, werden nur selten dieselben sein, die anderswo ihre Stelle verlieren. Es ist nicht sozialromantisch, sondern unverantwortlich zu behaupten, der durch Automatisierungstechnik arbeitslos werdende Facharbeiter werde im Handumdrehen als KI-Programmierer reüssieren. Und damit kein Verdacht aufkommt, ich schriebe hier mit akademischem Hochmut – ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine künstliche Intelligenz in nicht allzu ferner Zeit erheblich besser, konstanter und weltweit grenzenlos verfügbar Vorlesungen hält. Für uns Dozenten bliebe dann vielleicht noch ein bisschen Tutoring und das Betreuen von Abschlussarbeiten. Die Frage ist also: was sind digitalisierungsfeste Tätigkeiten, die uns besonders liegen und die wir möglichst einfach ausbauen können?

Drittens, und hier fängt endlich der Spaß an, sind wir ja nicht mit einem nahezu grenzenlos lernfähigen Gehirn ausgestattet worden, um nach Abschluss von Ausbildung oder Studium stumpf im Hamsterrad auf Rente und Tod zu zuhecheln. Wir sollten wecken, was in uns steckt. Ich kenne Menschen, die absolvieren in ihren 40ern noch ein Medizinstudium. Sean Connery war vor James Bond Bademeister, Baggerfahrer und Sargpolierer in einem Beerdigungsinstitut. Elon Musk studierte recht zielstrebig alles, was er später für seinen Aufstieg als Unternehmer brauchte, während Steve Jobs ohne zunächst erkennbaren Zusammenhang alle möglichen Kurse besuchte, die ihn interessierten.

Die Karrierestrategien Falke und Spinne 

Die Wege von Musk und Jobs stehen für die zwei grundlegend verschiedenen Strategien, die wir verfolgen können.

Musk ist der Falke, der hoch in der Luft steht, um mit tödlicher Präzision auf sein Opfer niederzufahren (und sei es die deutsche Autoindustrie). Wer seinem Beispiel folgt, weiß schon als Kind, was er werden will und lernt in Schule, Universität und in der Praxis alles, was er braucht.

Jobs ist die Spinne, die aus den verschiedensten Kompetenzen ein kunstvolles Netz knüpft, aufmerksam wartet und mit gnadenloser Entschlossenheit die Chance ergreift, sobald sie sie sich bietet. Dieser Pfad ist weniger planbar, aber nicht minder erfolgversprechend. Wer als Programmierer in ein Start-up will, bleibt nicht in Hamminkeln, sondern zieht nach Berlin oder ins Silicon Valley. Wer einen Oscar will, geht nach LA. Wer Journalistenpreise will, geht zum Spiegel oder zur New York Times.

Wir als Unternehmer unseres Lebens 

Mehr denn je sollten wir überlegen, wohin wir wollen im Leben. Bildung ist keine rein humanistische Tugend, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wir sollten unsere Stärken kennen, sie entwickeln und wissen, wie wir sie am besten einsetzen. Je zielorientierter wir lernen, desto besser können wir unser berufliches Schicksal selbst bestimmen. Wir sind die Unternehmer unseres Lebens. Wir sind es uns schuldig, es zu größtmöglicher Blüte zu führen.

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