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Jörg Hawlitzeck: Die Digitalisierung verlang nach einer neuen Art der Führung

Am 10. Mai 2019 findet in Stuttgart das Digital Heroes Festival statt. Es vereint Speaker, Investoren, Start-Ups, Influencer und Unternehmer. Ziel ist, den Mittelstand für die Zukunft zu wappnen. Was ist dafür notwendig? Was können Mittelständler und Start-Up-Lenker voneinander lernen? Nach welcher Art der Führungskultur verlangt die Digitalisierung? 

Ich persönlich berate seit über 15 Jahren Unternehmen und deren Leader in der Weiterentwicklung. Heute ist die vorrangige Aufgabe im Leadership, die Einstellung zum Wandel zu verändern. Die exponentielle technologische Entwicklung, die Digitalwirtschaft und jüngst die Innovationen im Bereich Künstlicher Intelligenz führen dazu, dass Veränderungen immer schneller passieren. Herausragende Führung muss Menschen inmitten des rapiden Wandels Orientierung geben, ohne selbst genau wissen zu können, wohin es geht. Es gilt Fragen zu beantworten, die keine eindeutige Antwort erlauben, und Prozesse zu lenken, deren eindeutiges Ziel nicht feststehen kann. Dafür ist es notwendig, Rahmen zu sprengen, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Die Quadratur des Kreises? Zweifellos – und vor allem müssen sich wahre Leader von einigen ausgedienten Paradigmen der Vergangenheit trennen. Welche das sind?

 

Industriezeitalter: Führen durch Macht

Im beginnenden Industriezeitalter waren Mitarbeiter gefragt, pünktlich zu erscheinen, verlässlich ihre Aufgaben zu erfüllen, sich dabei nicht auszutauschen und möglichst wenig mitzudenken. Hierauf war Führung ausgerichtet: Autorität entstand qua Macht, autoritärer Duktus, rigide Vorgaben, Kontrolle voller Misstrauen und Androhung von negativen Konsequenzen bei Nichtbeachtung waren die Folge. Was säte dieser Führungsstil? Angst – den schlechtesten aller Ratgeber.

 

Wissensgesellschaft: Führen durch Beeinflussen

Spätestens seit den 80er Jahren dann hatte sich herumgesprochen, dass Führen ganz ohne emotionale Intelligenz kaum Chancen auf Erfolg hat: Nicht mehr die fleißigsten Hände, sondern die klügsten Köpfe waren nunmehr gefragt. Und diese wollten mitgenommen werden. Also wurde beeinflusst, was das Zeug hielt. Der Manager wurde zum Motivator – manchmal auch zum Manipulator – , der den Mitarbeiter darin coachen sollte, seine Einstellungen, sein Denken und Handeln mit den Unternehmenszielen bestmöglich in Übereinstimmung zu bringen. Der Haken dabei? Den innersten Kern ihrer Mitarbeiter erreichten die meisten Manager nicht und sobald es mal nicht so lief wie gewünscht, verfielen sie dann ins autoritäre „Basta!“ – frei nach Gerhard Schröder.

Wie lässt es sich besser machen? Welche Einstellung für Führung ist brauchbar im digitalen Zeitalter? An welchen Prinzipien können sich sowohl Start-ups, als auch traditionelle Unternehmen orientieren?
Die Ausgangslage drängt: Das Internet hat eine schnelle, weltweite Vernetzung von Gleichgesinnten ermöglicht. Blitzschnell entstehen neue Märkte jenseits traditioneller Absatzkanäle. Quergedachte Geschäftsmodelle disruptieren traditionelle Player innerhalb eines Augenaufschlags. Paradoxerweise führen diese digitalen Neuerungen zur Renaissance analoger Werte im Umgang miteinander. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Authentizität, Sicherheit und zwischenmenschlicher Wärme im direkten Kontakt. Herzlich Willkommen im Zeitalter des Führens durch Reputation!

 

Digitalzeitalter: Führen durch Reputation

Autorität beruht hier nicht mehr auf Macht, sondern auf gelebter Vorbildfunktion. Der Leader von morgen spricht nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen seiner Mitarbeiter an. Er ist Ermöglicher statt Alleswisser. Er kennt nicht alle Lösungen selbst, sondern trägt Verantwortung für den Prozess der Lösungsfindung. Echtes Interesse, die Fähigkeit zuhören zu können und Neugierde auf die Vorstellungen anderer sind hierbei Kernkompetenzen Nummer eins. Demut wird zur wichtigsten Tugend jenseits aller Positionen und Hierarchien. So entsteht soziale Dichte und der innerste Kern der Mitarbeiter wird wirklich erreicht. Vertrauen ersetzt Misstrauen oder gar Mikromanagement. Aufrichtigkeit und Integrität werden wichtiger als perfekte Prozesse und Kennzahlen.
Und plötzlich finden sich Mitarbeiter in einer Welt wieder, in der sie sich tatsächlich verwirklichen können, in der Querdenken gefragt und Weiterentwicklung selbstverständlich ist. In der Arbeit Freude bereitet, weil sich alle jenseits traditioneller Hierarchien mit dem Unternehmenszweck identifizieren können. In einer Welt, in der jeder Verantwortung übernehmen und Eigeninitiative entwickeln darf und sollte. In der Motivation von Innen herauskommt, weil Sog erzeugt wird anstatt Druck.

Das ist die Welt der Innovationen und Geschäftsmodelle, die die Kunden von morgen begeistern. Es gibt sie bereites, die Unternehmen, die diese Art von Kultur aktiv leben. Trivago (Hotelsuche…?) ist eines von wenigen deutschen Unicorns und ein lebendiges, agiles System. Entscheidungen werden in der Tech-Company in voneinander unabhängigen Teams getroffen, die jeweils nahe genug an allen relevanten Informationen dran sind. So entsteht Reputation als natürliche Autorität. Eine extrem hohe Lerngeschwindigkeit ist sichergestellt, die ein wichtiger Wettbewerbsvorteil in Zeiten des schnellen Wandels ist. Oder Viessmann, das deutsche Familienunternehmen, das sich vom Heizungshersteller zum Lösungsanbieter für seine Kunden wandelt. Das nahbare Traditionsunternehmen nutzt dabei klug die Chancen der Digitalisierung, ohne seine Wurzeln aufzugeben.
Voraussetzungen hier wie dort ist eine Führungskultur, die auf Offenheit, Transparenz und Integrität beruht. Schon Peter Drucker wusste „Culture eats strategy for breakfast”. Und schließlich ist diese Kultur fest verankert im Unternehmenszweck.

Und Sie? Lassen Sie sich inspirieren auf dem Digital Heroes Festival! Von Impulsen, Erfahrungen und Querdenkern. Haben Sie Mut, mentale Fesseln zu sprengen. Werden Sie zum Leader der Zukunft! Ich wünsche Ihnen einen beeindruckenden Tag.

Ihr
Jörg Hawlitzeck 

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