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Vera Naumann: Als Führungskraft Respekt und Autorität gewinnen

Mitarbeiterführung „auf Augenhöhe“ basiert auf gegenseitigem Respekt: Diesen
Respekt gewinnt man, indem man ihn auch anderen erweist. Dazu gehören drei
ganz konkrete Dinge: 1. ein ernsthaftes Interesse am anderen Menschen; 2. eine
vernünftige Verteilung von Aufgaben und Verantwortung; 3. so viel Abstimmung wie
nötig und so wenig Einmischung wie möglich, sobald eine Aufgabe delegiert wurde.
Autorität erringt man durch Sachkompetenz oder durch soziale Kompetenz im
Umgang mit Menschen, manchmal auch durch eine hierarchische Position.
Respektvolles Verhalten kann man einfordern, z. B. dass man einander ausreden
lässt oder dass man sachbezogen Lösungsvorschläge diskutiert – als Autorität
angesehen zu werden, kann man jedoch nicht einfach verlangen.

Respekt kann man sich selbst erarbeiten

Als Führungskraft haben Sie für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine
Fürsorgepflicht, die in der Arbeitssicherheit sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Aber
schon bei der Gefährdungsbeurteilung fällt es manchen Vorgesetzten schwer,
menschlichen Respekt aufzubringen: Nehmen Sie die psychische Belastung einer
Mitarbeiterin im Kundenservice ernst, die regelmäßig wegen Serverproblemen
Anrufer vertrösten muss, weil Daten nicht verfügbar sind? Respektieren Sie den
Projektleiter, der selten vor 9:30 Uhr zur Arbeit kommt, weil er dadurch den Stau auf
seiner Anfahrt minimiert? Sorgen Sie als Führungskraft systematisch dafür, dass die
Qualifikation, das Arbeits- und auch das Lebensumfeld Ihrer Mitarbeiterinnen (!) und
Mitarbeiter zusammenpassen?

Sexismus bremst den Respekt aus

Wenn Frauen und Männern pauschal unterschiedliche Zuständigkeiten
untergeschoben werden („Männer für Budgetverhandlungen, Frauen für die
Reiseorganisation“), vergeigt man sich schnell den Respekt. Wer dann auch noch mit
peinlichen Bemerkungen über Körperformen oder erotische Vorlieben ins Geplauder
patzt, wird nicht mehr respektiert, sondern nur noch erduldet, übrigens auch von
Männern, die schon im 21. Jahrhundert angekommen sind. Das Prickeln zwischen
Menschen, die einander zugeneigt sind, lässt sich auch subtiler ausdrücken.

Autorität bekommt man von anderen zugeschrieben

Autorität erkennt man als Beobachter daran, wenn die Anweisungen einer
Führungskraft prompt umgesetzt werden und wenn ihre Empfehlungen gehört und
gewürdigt werden. Auch wer zu wichtigen Entscheidungen hinzugezogen wird,
bekommt Autorität zugeschrieben.
Führungskräfte, die von ihren Mitarbeitern menschlich nicht respektiert werden,
haben auch keine Autorität – und dann verhalten sie sich nicht selten autoritär. Aus
der Ohnmacht heraus, dass Aufgaben nicht so ausgeführt werden wie vorgegeben,
setzen sie ihren Mitarbeitern unrealistische Ziele und führen mit Druck und
Drohungen. Ermutigungen und Lob fallen aus. So erringen sie jedenfalls keine
Autorität, und die Arbeitsbeziehung findet als Machtkampf statt.
Respekt sollte nicht die beklommene Achtung vor einer berufenen, strafmächtigen
Autorität sein, vor „dem Vorstand“ oder „der Controllerin“.
Deswegen tun Führungskräfte gut daran, an ihrer Autorität zu arbeiten, indem sie für
ihren Betrieb und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ambitionierte, aber
realistische Ziele setzen, ihr Team für diese Ziele begeistern und indem sie
systematisch für Arbeitsbedingungen sorgen, um diese Ziele gemeinsam mit den
ihnen anvertrauten Menschen zu erreichen.

Andere Länder, anderer Respekt

Je nach Kulturkreis wird Autorität auch Menschen zugeschrieben, die durch
Abstammung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe Macht und Einfluss
haben. Mein in Nigeria lebender, deutschstämmiger Schwager wurde nach der
Geburt eines Kindes bei einem seiner Angestellten gebeten, dem Kind einen
Vornamen zu geben. Unwissend um die dortigen Gepflogenheiten, war ich zunächst
sehr erstaunt darüber und murmelte etwas von kolonialem Erbe. Mein Schwager
respektierte diesen Brauch: Einen Namen zu empfehlen, verleiht auch dem Geber
Autorität. Für den Angestellten ist es nicht nur ein Zeichen von Respekt – er betont
damit auch die Fürsorgepflicht seines Arbeitgebers, und zwar für die ganze Familie.

Vera Naumann
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