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Marion Lemper-Pychlau: 3 Fehler, mit denen sich Mitarbeiter selbst unglücklich machen

Studien belegen sehr deutlich, dass die heutigen Arbeitsbedingungen den Beschäftigten nicht unbedingt gut tun. Schon vor längerem hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin einen Stressreport herausgegeben, und er belegt: Die Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation haben sich vielerorts auf hohem Niveau stabilisiert. Zudem hat teilweise zeitgleich die subjektiv wahrgenommene Belastung weiter zugenommen, ebenso auch die Beschwerden.
Es sind aber keineswegs allein die äußeren Anforderungen und Arbeitsbedingungen, die zum Unglück der Beschäftigten führen. Vielmehr tragen die Betroffenen häufig selbst eine Menge zu ihrem eigenen Unglück bei. Es sind besonders folgende Überzeugungen, die sich fatal auf die Befindlichkeit auswirken:

1. Der feste Glaube an die Work-Life-Balance

Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich sich der Begriff „Work-Life-Balance“ in unseren Köpfen eingenistet hat! Ich behaupte: Dieser Begriff ist unsinnig und schädlich. Denn er suggeriert, dass unsere Existenz zweigeteilt sei: In den Bereich des Lebens und den Bereich der Arbeit. Und da diese Bereiche scheinbar unvereinbar sind, müssen sie eben ausbalanciert werden. So die dahinterstehende Überzeugung. Nun zeigt die Forschung aber, dass die Arbeit ein größeres Glückspotenzial besitzt als die Freizeit. Denn bei der Arbeit erhalten wir jeden Tag automatisch und ohne eigenes Zutun die Chance auf glückliche Erfahrungen. Wir können beispielsweise etwas leisten. Damit ist das Gehirn intensiv beschäftigt und es kommt zur Ausschüttung von Glückshormonen. Das hat die Evolution so eingerichtet. Denn die Tüchtigen und Engagierten haben bessere Überlebenschancen. Folglich wird Anstrengung mit Glück belohnt. Arbeit kann uns Identität verleihen, kann uns stolz machen. Sie kann das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl steigern, sie kann uns Bestätigung und Anerkennung verschaffen. Damit sorgt sie für die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse. Sie fordert uns heraus und lässt uns lernen. Wir entwickeln uns durch die Arbeit weiter, sammeln Erfahrungen, lernen und wachsen. Auch das wird als beglückend erlebt.

Wer aber fest an die Work-Life-Balance glaubt, der wird genau das erleben, was er erwartet: Er bekommt das öde Arbeitsleben, das durch ein erfülltes Privatleben ausgeglichen werden muss. Einfach deswegen, weil er nichts anderes erwartet.

2. Die Opferrolle

Viele von uns neigen dazu, sich angesichts unbefriedigender Umstände als Opfer zu fühlen. Das ist fatal. Denn die Opferrolle macht passiv und erzeugt Leiden. Man macht andere für das eigene Unglück verantwortlich und begibt sich damit automatisch in die Abhängigkeit der vermeintlich Verantwortlichen. Dann hofft man auf Rettung oder wartet auf die Einsicht des „Täters“. Opfer sind per se ausgeliefert und hilflos. Damit zementieren die Opfer eigenhändig ihr Unglück. Sie sind sich dessen aber in der Regel nicht bewusst, sondern fühlen sich deprimiert und wütend. Auf diese Weise entstehen im Laufe eines langen Berufslebens bei manchem Zynismus und Bitterkeit.

Tatsächlich spielt es aber keine Rolle, wie und durch wen das Unglück entstanden ist. Wer unglücklich ist, muss selbst etwas zu seiner Rettung unternehmen. Aber genau das verhindert die Opferrolle.

 

3. Die tägliche Selbstmotivierung

Wer an die Work-Life-Balance glaubt und zudem eine Neigung zur Übernahme der Opferrolle zeigt, wird sich zwangsläufig jeden Tag aufs Neue für die Arbeit motivieren müssen. Grundsätzlich ist Selbstmotivierung eine nützliche Fähigkeit, aber sie dient auf keinen Fall als brauchbare Basis für ein ganzes Arbeitsleben. Denn wer sich selbst motiviert, bezahlt dafür stets einen Preis: Willenskraft verhält sich nämlich wie ein Muskel, der nach einiger Zeit ermüdet. Das bedeutet: Wer sich ständig für seine Arbeit motivieren muss, verbraucht zu viel Energie für die Selbstüberwindung und hat dann weniger Energie für die Arbeit übrig. Darunter leidet die Leistungsfähigkeit massiv. Zudem ist die Energie irgendwann verbraucht. Wenn das passiert, verliert man die Kontrolle. Dann übernimmt der innere Schweinehund die Regie und man hat vielleicht nach Feierabend keine Energie mehr für die Familie, Freunde oder Hobbys übrig. Man fühlt sich häufig ausgelaugt und erschöpft.

Die Alternative 

Wir brauchen also eine echte Alternative zu all diesen schädlichen Haltungen und Überzeugungen. Sie lautet schlicht: Arbeiten Sie mit mehr Freude! Denn Freude sorgt für ein erfülltes Arbeitsleben und liefert jede Menge Energie. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, mehr aus seiner Arbeit zu machen und somit seine Befriedigung und seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Man muss nur wissen, wie man trotz unbefriedigender Umstände freudvolle Momente schaffen kann. Und wie das im Einzelnen funktioniert, verrate ich in meinen Vorträgen.

 

Profil von Marion Lemper-Pychlau

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