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Marcus Disselkamp: Plattformen stehen hoch im Kurs, stellen aber diverse Risiken dar

Mit ebay, YouTube, Amazon Marketplace oder den deutschen Unternehmen Immobilienscout24 und Check24 haben sich moderne, internet-basierte Plattformen entwickelt. Ihnen gemeinsam sind die (mehr oder wenige offene) physische bzw. virtuelle Infrastrukturen (Plattformen), auf welchen Anbieter und Anwender zusammentreffen und dank Interaktionen Nutzen (Wertschöpfung) ziehen können.Um das Thema Plattformen ist nun ein wahrer Hype ausgebrochen. Nachdem elf der aktuell zwanzig wertvollsten globalen Firmen Plattformen und nicht mehr wie früher Öl-, Handelsunternehmen oder Banken sind, wollen viele Firmen selbst auch eine Plattform werden oder bezeichnen sich bereits als eine solche. Dabei kommt es jedoch zu einer Unschärfe, was überhaupt unter einer Plattform zu verstehen ist.

So nennen sich bereits klassische eCommerce Anbieter als Plattformen, auch wenn sie neben ihrem eigenen Angebot keine weiteren externen Handelspartner erlauben. Oder es werden Lösungen in der Industrie als Plattformen bezeichnet, die aber zutreffender Weise eher als Baukästen gelten sollten, da sie Standardmodule für unterschiedliche Endprodukte darstellen.

Echte „Plattformen“ im Rahmen der Plattform-Ökonomie verfolgen hingegen neue Regeln und etablieren eigene digitale Ökosysteme. Hierzu zählt das Verständnis, parallel zum eigenen Sortiment kompetitive Geschäftspartner auf die eigene Infrastruktur zu heben, damit für die gemeinsamen Kunden in der Summe eine noch größere Auswahl bei besten Preisen möglich wird.

YouTube macht es vor: Zu den neuen Regeln der Plattform-Ökonomie zählt ferner die mögliche Überschneidung der Rollen der Teilnehmer an einer Plattform: Kunden können sowohl Nachfrager (bei YouTube die Zuschauer der Videos) als auch Anbieter bzw. Lieferanten auch Kunden sein (sog. Multi-Side Effekt).

Und Achtung: Nicht jedes Unternehmen kann bzw. sollte eine Plattform sein! Denn neben Plattformen existieren noch mindestens zwei weitere strategische Positionierung, die genauso dazu geeignet sind, als Nutzenführer rentabel und nachhaltig Wettbewerbsvorteile in Zeiten des digitalen Wandels zu generieren: die Positionierung als Funktionsspezialist oder als Systemintegrator.

Funktionsspezialisten sind – wie es ihr Name schon sagt – Experten und Nutzenführer in ihrem Bereich und profitieren von hohen Kompetenzen, Qualitätsbewusstsein, fortlaufenden Innovationen und nachweislicher Effizienz. Sie sind diejenigen, ohne die Plattformen ihre Angebote gar nicht erbringen können. Bei YouTube ist es der Videoproduzent, bei Lieferando.de der Pizzabäcker und bei Spotify der Musiker.

Kommt es aber zu einer Übernahme der Haftung für die Fertigstellung eines Werkes, wie z.B. einer Immobilie oder einer Maschine, dann sprechen wir nicht mehr von der Rolle eines Funktionsspezialisten, sondern von einem Systemintegrator. Amazon geht doch in Wahrheit mit seiner eigenen Logistik, eigenen Webservices, den eigenen Läden etc. den Weg von einer Plattform zu einem Systemintegrator.

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