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Antje Heimsoeth: Buchtipp – Wie Vertrauen in der Führung entsteht

In der Führung gibt es kein Weiterkommen ohne Vertrauen. Das war schon immer so. Allerdings kommt der Frage „Vertrauen führt, aber welche Führung führt zu Vertrauen?“ heute eine immer größere Bedeutung zu. In Zeiten des digitalen Wandels, der agilen Projektarbeit und aufgelöster Hierarchien spielt Vertrauen eine entscheidende Rolle, schnell Klarheit zu schaffen und Komplexität zu reduzieren. 

Einen grundlegend spannenden Einblick in die Vertrauensforschung bietet die Seminararbeit „Vertrauen. Ansätze und Modelle der Vertrauensforschung“. Dort wird beispielsweise darauf
verwiesen, wie schwer eine einheitliche Begriffsbestimmung ist. Dafür verantwortlich sind u. a. die verschiedenen Vertrauensrelationen: darunter verhaltensorientierte Ansätze, die verhaltensabsichtsorientierte Betrachtung und die einstellungsorientierten Ansätze. In einem allerdings ist die Forschung sich einig: „(…) die Wirtschaftskrise ab 2008 hat deutlich gemacht, dass Vertrauen für ein funktionierendes Wirtschafts‐ und Finanzsystem notwendig ist (…).“  Was für die Wirtschaft gilt, gilt natürlich auch innerhalb eines Unternehmens und ist umso wichtiger in der Beziehung zwischen den einzelnen Menschen. Für mich stellt sich deshalb die wichtige Frage:
Welche Eigenschaften machen eine gute – sprich vertrauenswürdige – Führungskraft aus?

Beziehung als Basis

Die Antworten darauf sind vielfältig. Im Laufe der Zeit haben sich einige Eigenschaften herauskristallisiert: Herausforderungen annehmen und mit Veränderungen souverän umgehen.
Rechtzeitig Entscheidungen treffen und so Probleme lösen. Und die Bereitschaft, für all dies immer weiter zu lernen. Sowohl auf der Seite des Führenden als auch auf der des Mitarbeiters bedarf es dazu der Sicherheit, dass die Basis des gegenseitigen Vertrauens so tief und gefestigt ist, dass Irrungen und Wirrungen diese nicht zerstören können.

Leben ist gegenseitige Beeinflussung

Mit Vertrauen gelingt Führung besser. Dabei ist gegenseitiges Vertrauen nicht immer leicht zu erreichen und noch schwerer dauerhaft sicher zu stellen. Denn Vertrauen braucht vor allem eines:
Zeit. Dann erwächst aus dem zarten Pflänzchen Vertrauen ein starker Baum, eine Beziehung, die es möglich macht, andere Menschen leichter und besser zu führen. Aber nicht immer hat man diese Zeit. Startet ein neuer Mitarbeiter, kann eine Führungskraft schlecht darauf warten, bis das gegenseitige Vertrauen endlich entstanden ist. Der Mitarbeiter muss von der ersten Minute an
geführt werden und die Führungskraft muss von der ersten Minute an führen. Gut, dass es in diesem Fall häufig ein spontanes Vertrauen gibt. Der sogenannte Vertrauensvorschuss beinhaltet allerdings auch Erwartungen, beispielsweise, dass die notwendige Kompetenz vorhanden und die Integrität gewahrt ist.

Vertrauen ist Arbeit

Vertrauen muss gehegt und gepflegt werden. Auch Führungskräfte müssen immer wieder ins Tun kommen, Risiken eingehen, delegieren, die eigene Komfortzone verlassen und sich schwierigen
Situationen stellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es daher, sich für Vertrauensmomente im Leben zu sensibilisieren.

Wichtige Fragen dafür: Bei welcher Gelegenheit konnte ich vertrauen? Wann wurde mein Vertrauen (nicht) enttäuscht? Wer in meinem Leben diente mir als Vorbild in puncto Vertrauen? Aber auch grundsätzlich: Was verstehe ich unter Vertrauen? Welche Erwartungen habe ich an eine vertrauensvolle Beziehung? Sich immer wieder selbst zu reflektieren, ist wichtig als Führungskraft – über das Thema Vertrauen hinaus.

3 Tipps, um Vertrauen auf‐ und auszubauen:

1. Vorleistung bringen, Vorbild sein 

Führungskräfte haben eine gewisse Machtposition inne. Deshalb sollte der erste Schritt zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung auch von ihnen ausgehen. Indem sie in Vorleistung gehen, sind sie zugleich Vorbild.

2. Spontane und informelle Kommunikation 

Nicht immer ist in Unternehmen eine offene Kommunikation möglich. Führungskräfte sollten deshalb Chancen nutzen, um sich spontan mit Mitarbeitern auszutauschen. In der Kaffeeküche, auf dem Flur, auf einer Reise zum Kunden oder auf dem Weg zum Mittagessen spricht es sich leichter – von Mensch zu Mensch.

3. Fehler zugeben, sich fair verhalten 

Führungskräfte machen Fehler, schließlich sind sie auch nur Menschen. Dann heißt es vor allem, diese zuzugeben. Eigene Zusagen einhalten und gerechte Beurteilungen anderer – das alles wird vom Mitarbeiter als fair empfunden und sorgt dafür, dass die eigene Vertrauenswürdigkeit nicht infrage gestellt wird.

Mut sich einzulassen

Der Kern jedes Erfolgs ist Vertrauen. Ob wir uns selbst vertrauen, dem Unternehmen, dem Produkt, einer Marke oder anderen Menschen – alle Beziehungen beruhen auf Vertrauen. Ohne Vertrauen keine Kunden, die kaufen. Ohne Vertrauen keine Informationen, die fließen. Ohne Vertrauen keine Zusammenarbeit. Ohne Vertrauen keine Führung – zumindest keine gute. Vertrauen trägt dazu bei, dass wir uns trotz digitaler Transformation als Menschen begegnen. Reduzieren wir unsere komplizierte, sich immer schneller drehende Welt doch einfach auf das Wesentliche: den Menschen und das Vertrauen in unsere Spezies.

„Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden“

Wenn wir es schaffen, uns tatsächlich wieder zuzuhören, ehrlich Interesse am anderen zu zeigen und so emotionale Nähe zuzulassen, bilden wir mit Wertschätzung eine wichtige Basis für gegenseitiges Vertrauen. Wichtig ist – auch wenn Vorbilder hilfreich sind – einen eigenen Weg zu finden und diesen zu gehen! Laotse hat es schön zusammengefasst: „Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden.“

© Ihre Antje Heimsoeth

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