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Tomas Herzberger: Think Growth! Ihr Erfolg beginnt im Kopf

“Sag mal – was willst du eigentlich in fünf Jahren machen?” fragte ich.
Stefan lächelte und statt einer Antwort nahm noch einen Schluck von seinem Bier. Beim vierten hatte ich aufgehört zu zählen.
“Ich weiß, das ist eine blöde Frage. Aber willst du dann immer noch kellnern?”
“Vielleicht”, antwortete er schulterzuckend. Immer noch lächelte er sein verschmitztes Lächeln, das bei Frauen so gut ankommt. Aber in seinem Blick war nicht mehr das Funkeln, dass ich dort vor einer Minute noch gesehen hatte, als er leidenschaftlich über den gestrigen Sieg der Frankfurter Eintracht sprach.Stattdessen ging sein Blick ins Leere.

Stefan ist ein alter Schulfreund von mir. Er ist im Herzen ein guter Mensch, ein verlässlicher Freund und fürsorglicher Vater. Er genießt das Leben – und genau das ist das Problem. Er lebt “von der Hand in den Mund”, also stets von einem Monatsgehalt zum Nächsten. Wir treffen uns regelmäßig und stets sprudelt es aus ihm heraus, was gerade erlebt hat. Wie er mit Freunden gefeiert hat oder welche Frauen ihm gerade den Kopf verdrehen. Aber mir fiel auf, dass er nie über die Zukunft redete – also sprach ich ihn offen darauf an.

“Keine Ahnung”, sagte er schließlich. “Vielleicht eine Bar aufmachen. Bali war toll. Hab da doch meine Flitterwochen verbracht. Cooles Land! Ich würde echt gerne mal Tauchen lernen. Weißt du, als wir in diesem Restaurant dort waren, haben wir das andere Pärchen kennen gelernt…” Mehr hat er nie über seine Zukunftspläne erzählt.

Stefan ist ziemlich genau das Gegenteil von den Gründern, Unternehmen und Freelancern in meinem sonstigen Bekanntenkreis. Menschen, die nach Wachstum geradezu hecheln. Die begierig sind auf neue Strategien, Prozesse und Hacks um mehr und schneller wachsen zu können. Die man davon abhalten muss, zu viel auf einmal machen zu wollen, da sie sonst in einen unsinnigen Aktionismus verfallen würden.

In einer unsteten und dynamischen Welt wirkt er wie ein Fremdkörper, ein Dinosaurier. Ich habe gleichzeitig Mitleid und schäme mich. Denn wer bin ich, dass ich mir ein Urteil über die Lebenspläne (oder den Mangel selbiger) von anderen Menschen erlauben könnte?

Manchmal ist weniger mehr

Aber hier hatte ich jemanden vor mir, für den Wachstum kein Muss, sondern eine Option ist. Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: es zeugt von Rückgrat und Überzeugung wenn man weiß, was man NICHT will. Ebenso wie wenn jemand leidenschaftlich für die Erfüllung seiner ambitionierten Ziele kämpft. Es ist eine Frage der Mentalität oder auf Neudeutsch des Mindsets.
Wachstum liegt in der Natur der Menschen.
Und zwar im wortwörtlichen Sinne, denn wir vermehren uns – auch wenn wir nicht mehr genügend Platz und Ressourcen für uns alle auf diesem Planeten haben.

Wir wachsen geistig, indem wir uns ständig neue Herausforderungen suchen. Jede wissenschaftlich relevante Erkenntnis wirft nur noch mehr Fragen auf.

Wir wachsen physisch und jagen immer neuen Rekorden hinterher.

Usain Bolt war nicht damit zufrieden, die 100 Meter ziemlich schnell zu laufen. Er wollte der schnellste Mann der Welt sein.

Michael Jordan ist nicht bekannt dafür geworden, einen Ball gelegentlich durch einen Korb werfen zu können.

Und wir bewundern Maryl Streep nicht dafür weil sie ganz ordentlich schauspielern kann, sondern weil sie 21mal für den Oscar nominiert war (und dreimal gewonnen hat).

Auch wirtschaftlich sind wir aktuell auf Wachstum angewiesen, denn Kapitalismus (und sei die Marktwirtschaft auch noch so sozial) funktioniert nicht ohne Wachstum. Wer sein Geld nicht vermehrt, sondern es unter der Matratze liegen lässt, der verliert sein Vermögen Cent für Cent. Denn die Staaten drucken immer mehr Geldnoten, was zu eine Wertminderung führt. Also doof.

Bis auf wenige Ausnahmen haben sich alle Länder dieser Welt einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung verschrieben. Und sogar das “kommunistische” China ist davon abhängig, dass die Wirtschaft beständig wächst – nicht zu sehr, aber vor Allem nicht zu wenig.

Ist man also wirtschaftlich aktiv, sollte man Wachstum nicht verfluchen oder sich davor erschrecken. It’s part of the game!

Denn selbst wenn die eigenen Ziele bescheiden sind und man nur ein kleines Unternehmen mit stabilem Umsatz etablieren möchte, muss man doch immerhin zu diesem Status wachsen.

Growth nur ein weiteres Buzzword?

“Growth” ist ein aktuelles Modewort für Wachstum. Ebenso wie “Hustle”, “Grind” oder auch “hacken”. Viele junge Unternehmer nutzen es gerne, um ihre ihre Strebsamkeit trotz etwaiger Widrigkeiten zu veranschaulichen. Man macht sich die Hände schmutzig, man nutzt jede Chance und man verlässt auch gerne die etablierten Pfade, um den Wachstum des eigenen Unternehmens anzukurbeln.

Und auch das Thema meines Bestsellers “Growth Hacking” ist moralisch nicht verwerflich, denn Kreativität und Mut entspricht ebenso dem menschlichen Ideal – solange sich dieses Streben nicht gegen oder zu Lasten der Mitmenschen richtet.

Bitte nachmachen: Das Growth Mindset

Carol S. Dweck ist Professor für Psychologie an der Stanford University. In Ihrem Bestseller “The Growth Mindset” beschreibt sie zwei unterschiedliche Mentalitäten: das “Fixed Mindset” sowie (wer hätte es erraten) das “Growth Mindset”.

Im Kern geht es darum, das Menschen mit dem Fixed Mindset glauben, dass Dinge “in Stein gemeißelt” wären. Entweder ist man gut im Sport oder nicht. Entweder ist man schlau oder nicht. Entweder ist man eine gute Führungspersönlichkeit oder nicht. Alles Begabung, Talent und Veranlagung. Problematisch wird es dann, wenn Menschen mit diesem Mindset den Erwartungen nicht mehr entsprechen können – seien es die Erwartungen anderer oder der eigenen. Denn wenn man trotz hoher Begabung scheitert, ist man in einer Sackgasse.

Auch Stefan hat ein solches Fixed Mindset. Er hat seinen Platz in der Welt und hält daran fest. Ambitionierte Ziele? Strategische Weiterbildung? Warum sich das antun, wenn die Welt doch gerade in Ordnung ist?

Für die Menschen mit einem Growth Mindset – um die Worte von T.E. Lawrence aka Lawrence von Arabien zu verwenden – steht nichts geschrieben: Sie glauben daran, dass sie sich jederzeit verändern können, dass sie wachsen können. Egal wie gut oder schlecht sie in einer Sache sind: durch Lernen und harte Arbeit können sie jeden Tag ein bisschen besser werden. Ihr einziger Gegner ist das gestrige ich – und solange man dieses gestrige ich überwinden kann, gewinnt man.

In vielen Studien hat Dr. Dweck bewiesen, dass es nicht nur Menschen mit dem einen oder dem anderen Mindset gibt, sondern dass wir immer wieder zwischen den beiden Mentalitäten wechseln – je nach Situation.

Vielleicht haben wir ein Growth Mindset in Sachen Unternehmertum und zeichnen uns als herausragende Führungspersönlichkeiten aus, die der persönlichen Entwicklung ihrer Mitarbeiter oberste Priorität einräumen. Aber sobald es um die Kindererziehung geht, verfallen wir in das Fixed Mindset und loben die guten Noten unserer Kinder, statt des Lernprozesses.

Möchtest du also wirtschaftlich erfolgreich sein – und nur du definierst, was “Erfolg” ausmacht – dann sei dir ein “Growth Mindset” empfohlen. Denn nur damit wirst du langfristig Erfolg haben. Du wirst dich, dein Unternehmen und deine Mitarbeiter weiterentwickeln. Du wirst neue Erfahrungen suchen, dich in unbekanntes Terrain bewegen, du wirst Fehler machen – aber trotzdem ist es die bessere Alternative zum “Fixed Mindset”, denn Wachstum und Weiterentwicklung entsprechen unserem menschlichen Naturell und bringen dich als Individuum und uns als Gesellschaft weiter.

Zusammenfassung

Beobachte dich selbst: Bist du jemand, der offen für Kritik ist? Der mit seinem Platz in der Welt nicht zufrieden ist und sich weiterentwickeln möchte – auch wenn du weißt, dass Wachstum unvermeidlich mit Herausforderungen und Fehlern verbunden ist?

Falls ja, dann überwiegt in dir das Growth Mindset.

Falls nicht, dann frage dich, ob du mit deinem Leben glücklich bist, oder doch etwas verändern möchtest. Denn Veränderung beginnt immer zuerst in deinem Kopf.

Profil von Tomas Herzberger

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