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Marcus Disselkamp: Kannibalisiere Dich selbst – oder Du wirst kannibalisiert!

Das Motto „Lieber kannibalisieren wir uns selbst, als dass uns andere kannibalisieren“ hat viel mit dem Verständnis der digitalen Transformation, disruptiven Innovationen und eine zielgerichteten Innovationskultur zu tun.

Ursprünglich bezeichnet die Wirtschaftswissenschaften unter „Kannibalisierung“ die Absatzsteigerung eines Produktes auf Kosten eines meist höherpreisigen Produktes des gleichen Anbieters. Der Anbieter läuft also Gefahr, dass sein etabliertes, teureres Produkt unter der Einführung einer weiteren, aber günstigeren Lösung an Marktbedeutung verliert. Man kannibalisiert sich quasi selbst.

Heute aber versteht man unter Kannibalisierung, dass ein moderneres Produkt ein etabliertes Produkt verdrängt. Es geht nicht mehr um Preisvorteile, sondern um disruptive Innovationen mit bahnbrechenden, radikalen Neuerungen. Hier passt auch die bekannte Definition einer Disruption von Clayton Christensen aus dem Jahr 1993, denn diese macht eine bisherige Lösung (Produkt, Dienstleistung, Prozess, Markt oder Geschäftsmodell) obsolet.

Treiber dieses von Schumpeter bereits 1942 als schöpferischen Zerstörung bezeichneten Effekts, sind unter anderem die Inkubatoren der digitalen Transformation in Form der höheren Vernetzung und Kompatibilität von Systemen, der Kostendegression von Technologien und IT-Systemen sowie der Etablierung neuer Technologien (wie der künstlichen Intelligenz oder der additiven Fertigung / 3D Druck). Doch noch wichtiger als technologische Entwicklungssprünge sind die neuen Geschäftsmodelle, wie sie von Wettbewerbern etabliert werden.

Und genau hier gewinnt nun das Motto dieses Beitrages „Kannibalisiere Dich selbst“ an enormer Bedeutung: Es sind nicht neue Technologien die Disruptionen hervorbringen (also der sog. Technology Push), sondern neue Geschäftsmodelle (der sog. Market Pull). Viele Jahre schon vor Skype gab es die peer2peer Technologie, vor AirBnB das Internet oder vor dem aktuellen Hype die Podcast Technik. Bei Disruptionen geht es nämlich nur am Rande um (moderne) Technologien, sondern zuerst einmal um neue Geschäftsmodelle. Wichtiger als die Technik ist die Bereitschaft, gewohnte Lösungen grundsätzlich zu hinterfragen und neue Ideen konsequent und erfolgreich umzusetzen. Es geht um eine Unternehmenskultur, in der man sich kontinuierlich selbst hinterfragen und mit disruptiven Lösungen kannibalisieren darf.

Aber haben wir überhaupt die richtigen Mitarbeiter? Haben diese die entsprechenden fachlichen und sozialen Kompetenzen, um sich und ihre Leistungen kontinuierlich zu hinterfragen? Haben diese überhaupt die notwendigen organisatorischen Freiheiten, um offen das Gewohnte in Frage zu stellen? Und haben wir das richtige Management, welches nicht nur von Agilität und Ambidextrie spricht, sondern diese Prinzipien auch ehrlich vorleben?

Hier aber werde ich skeptisch, denn viele Reden von Veränderungen, aber sie wollen sie nicht wirklich oder nur bei den anderen. Man ist in alten Denkmustern gefangen, es überwiegt der Egoismus oder einfach nur die Angst vor dem Unbekannten. Das Motto „Lieber kannibalisieren wir uns selbst, als dass uns andere kannibalisieren“ dient hier als ein Aufruf zur die Eigeninitiative, an die Agilität, die Abenteuerlust und die individuelle Verantwortung für die Zukunft.

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