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Thomas Ranft: Klimawandel nach Corona? Können wir!

„Im Moment haben wir ganz andere Probleme…“ „Wer weiß, ob wir uns den Klimaschutz überhaupt noch leisten können…“ „Wir müssen erst mal Arbeitsplätze sichern…“ „Wenn die Not groß ist, rückt Nachhaltigkeit in den Hintergrund…“

Weltweit treiben uns derzeit Sorgen und Nöte, und all die intensiven Diskussionen um Klimawandel, Greta, Energiewende oder Mobilitätswende sind weit in den Hintergrund gerückt. Es scheint, als wären das Diskussionen aus einer anderen Zeit. Ist der „Klimawandelhype“ deswegen vorüber?  Sicher nicht. Manch einer behauptet, dass der Klimawandel viel verheerendere Folgen haben wird als das Virus, allerdings im Vergleich dazu „in Superzeitlupe“.

Wir müssen auf Notlagen reagieren und es stellt sich die Frage: Gibt es eine Art Konkurrenzsitution zwischen Corona und Klimawandel?

Die korrekte wissenschaftliche Antwort darauf lautet (wie übrigens fast immer und überall): Es kommt darauf an (alternativ: das kann man so nicht sagen).

Es gibt weltweit Politiker, namentlich der US-amerikanische Präsident, die die Coronakrise nutzen, um ihre eigene Agenda zu verfolgen und Klimaschutz auszuhebeln. In diesem Fall wirkt die Coronakrise wie ein Brandbeschleuniger, Maßnahmen für den Klimaschutz werden auf Eis gelegt oder gar nicht erst geplant. Tatsächlich aber dürfen wir davon ausgehen, dass selbst ohne Corona die Entscheidungen dieser Politiker dem Klimaschutz eher entgegengewirkt hätten. Eine aus Umweltsicht nachhaltige Weichenstellung in den Entscheidungen des Donald Trump? Vor wie während und nach der Coronakrise ziemlich undenkbar.

Wenn wir uns also Gedanken um die Entwicklung des Weltklimas und die Maßnahmen gegen eine weitere Erwärmung machen wollen, schauen wir uns lieber die „Allianz der Willigen“ an: Die Menschen, Unternehmen, Verbände, politschen Entscheider, Staaten, die vor Corona für den Klimaschutz gekämpft haben oder versucht haben, zu kämpfen.

Sicherlich bremst die Coronakrise die Entscheidungsfindung, um Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen. Die Verschiebung von Klimagipfeln ist ja bereits sichtbar. Finanzielle Spielräume werden enger oder sind teils gar nicht mehr vorhanden.  Aber macht das dem Klima den Garaus?

Gerade das glaube ich nicht. Denn erstens macht Not erfinderisch, das hat die Menschheit in der Vergangenheit unzählige Male bewiesen. Und zweitens hilft die Corona-Krise uns, bestehende Abläufe in Frage zu stellen.

War unser Leben vor Corona perfekt? War es praktisch? War es gesund? War es nachhaltig? Hat es uns wirklich zufrieden und glücklich gemacht? War unser unternehmerisches Handeln zielführend?

Die Notbremse im öffentlichen, im wirtschaftlichen und privaten Leben hilft uns, Bisheriges auf den Prüfstand zu stellen. Wir werden alte Angewohnheiten über Bord werfen, Angewohnheiten, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben, die aber nicht sinnvoll sind. Wir brauchen nicht mehr jedes Meeting „Auge in Auge“, wir brauchen nicht jede Dienstreise, nicht jeden Wochenendtrip.

Werden wir deswegen dauerhaft weniger konsumieren? Eher nicht, sondern nur anders. Und dieses „Anders“ können wir gestalten. Hier ist Politik gefragt. Hier sind Unternehmenslenker gefragt. Hier ist jeder von uns gefragt.

Welche Leitplanken schaffen wir uns, innerhalb derer wir unsere Zukunft gestalten, aus der Krise herauskommen und gleichzeitig dauerhaft klimafreundlicher agieren? Krisenbewältigung und Nachhaltigkeit müssen und können auch gleichzeitig gedacht werden.

Für die Automobilindustrie könnten erste Schritte in Deutschland vermutlich bereits im Mai beschlossen werden. Werden es Kaufanreize, die nicht eine Kopie der Abwrackprämie sind, sondern eine Ankurbelung der Wirtschaft die ausschließlich nachhaltige Mobilität fördert, also E-Mobilität?

So wäre eine Corona-Krisenbewältigung gleichzeitig eine Beschleunigung der sowie unumgänglichen Transformation vom Verbrenner zur E-Mobilität. In dieser Logik können wir Klimaschutz und -anpassung in jedem Bereich unseres Lebens denken. Und dann würden wir unsere notwendigen Ziele schneller erreichen als erwartet, langfristig, und nicht nur, weil wir während des weltweiten Corona-Lockdowns mal kurz alle daheim saßen und gezwungenermaßen das Klima schonten…

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