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81,7% der Teilnehmer sind der Meinung: gutes virtuelles Lernen ist – und bleibt hoffentlich – mehr als nur ein Lückenbüßer

Home-Office, Home-Schooling, aber auch Home-Coaching und Home-Training (nein, nicht nur das mit dem Fahrrad im Keller): das sind immense Veränderungen für uns alle, aber sie funktionieren. Mal besser, mal nicht ganz so gut – das muss hier offen gesagt werden.
Die Vor- sowie Nachteile von virtuellen Lernformaten und wie es (noch) besser funktioniert, das kannst Du in diesem Artikel lesen.

Immer wieder frage ich in der Abschlussrunde meiner sicher über 40 online Lernformate (und über 200 Teilnehmern), zu wie viel Prozent das virtuelle Training einem Präsenzkurs entspricht?
Die schlechtesten Ergebnisse liegen bei 50% – das kam von einer älteren Dame (ohne Klischees bedienen zu wollen), die zu Beginn des interaktiven online Workshops sagte: „Diesen neumodischen Quatsch brauch‘ ich nicht“. Was übrigens alle hören konnten, weil ihr Mikrofon auf laut war…
Viele Teilnehmer wählen einen Wert um die 80%. Und es gibt Bestwerte von 100% und sogar 110% mit der Aussage, dass das virtuelle Training effektiver und effizienter ist.
Der Durchschnitt der Effektivität & Effizienz von online Trainingsformaten im Vergleich zu Präsenztrainings liegt laut meiner Recherche bei 81,7%!
Viel mehr als 90% würde ich auch nicht geben. Mir persönlich fehlt vor allem der intensivere emotionale Zugang und die komplette Beziehung zu meinen Teilnehmern, auch wenn wir uns meist per online Video ja zumindest ins Gesicht sehen.
Und eine gemeinsame, schöne Lernumgebung in einem entsprechend netten Hotel oder Lernort motiviert nachweislich alle Beteiligte.
Immerhin sind dies insgesamt Zahlen, die durchaus über dem Pareto-Optimum liegen, und damit die Sinnhaftigkeit und den Erfolg von virtuellen Klassenzimmern bestätigen!
Außerdem: welches Präsenztraining ist wirklich 100% perfekt?

Wie wir alle diese Werte noch weiter steigern können, sollen die folgenden grundlegende Basiserfolgsfaktoren für online Weiterbildungen zeigen:

  1. Offenheit aller, sich auf das Format einzulassen: wir alle kennen wahrscheinlich TeilnehmerInnen bzw. TrainerInnen, die sich nicht auf das elektronische Medium einlassen (wollen bzw. können)
  2. Inhalte, die sich zur online Vermittlung eignen: agile Methoden lassen sich beispielsweise leichter via Computer lernen als emotionales Konfliktmanagement, wobei auch dies bereits bewiesenermaßen erfolgreich vonstatten ging
  3. Trainer bzw. Trainingsinstitute und Teilnehmer, welche in die notwendige Hardware investieren: z.B. Beleuchtung, performante Laptops, gute Internetverträge mit schnellen Leitungen, damit k-k-kein H-H-Hängenbleiben oder Ausfall passiert
  4. Passender professioneller Einsatz der richtigen und passenden virtuellen Tools
    a) Videokonferenz-Plattformen: Microsoft Teams, Google Hangouts, Webex oder Zoom als mein persönlicher Favorit aufgrund der guten Features und Usability für die Breakout-Rooms bei Kleingruppen-Übungen
    b) interaktive Kollaborationssoftware: Mural, Google Jamboards oder Miro, welches ich nur empfehlen kann und immer wieder positives Teilnehmerfeedback bekomme

Und hier die entscheidenden 10 Nutzenaspekte der virtuellen live Trainings sowie allgemein der digitalen Zusammenarbeit:

  1. Globaler Zugang: Ich hatte einmal einen Teilnehmer aus Kanada, der sich zu seiner Zeit 1 Uhr morgens zugeschaltet hatte und alle virtuellen Module freiwillig bis 9 Uhr morgens seiner Zeit mitgemacht hatte!
  2. Höhere Flexibilität: Lernzeitpunkt und Lerngeschwindigkeit können noch individueller angepasst werden, wozu es natürlich auch online Kleingruppen braucht (max. 10 virtuelle Teilnehmer – sonst können nicht alle intensiv mitgestalten)
  3. Schnellen Anpassungsmöglichkeiten und Aktualisierungen, um immer up-to-date zu bleiben, z.B. das kurzfristige Einbinden von aktuellen Informationen via PC aller Teilnehmer
  4. Geringere Reisezeiten & -kosten sowie keine Investition in Hotelseminarräume und Catering – sowohl für die Unternehmen, Teilnehmer als auch für die TrainerInnen
  5. Eine hierarchieübergreifende lockerere, digitale Kollaboration: auch wenn ich zwei Gruppen hatte, die sich immer noch siezten – ich bot mein „Du“ an und blieb dabei…
  6. Ein direktes Abspeichern der Ergebnisse: als Download, Videomitschnitt oder Screenshots und pdf-Ergebnis, die Dokumentation kann unmittelbar auf den PCs erfolgen
  7. Alle Teilnehmer haben häufig einen höheren Redeanteil, da jeder gleichzeitig und intensiv involviert wird in den Übungen (synchrones Lernen auch für die introvertierteren Teilnehmer)
  8. Komfortabler Einstieg & Skalierbarkeit: ob vom Home-Office oder Büro, jeder bekommt einen einfachen Zugang und wenn aufgezeichnet wird, dann ist das Training sogar 24/7 abrufbar Geringerer Post-It Verbrauch: virtuelle Post-Its fällen weniger Bäume als echte Klebezettel und Moderationskarten, brauchen allerdings mehr Strom J
  9. Zu guter Letzt: Mit dem virtual Classroom steigern wir alle unsere eigenen zukunftsentscheidenden, digitalen Kompetenzen und können Tools wie online Whiteboards auch in anderen Workshops und Meetings nutzen

Nicht alles ist bekannter Weise golden, was glänzt.

Natürlich gibt es auch einige Nachteile bei online Schulungen (aber Du liest im folgenden Abschnitt auch wie Du jeweils damit umgehen kannst: Nachteil Nr. 1 wird aufgefangen mit der dazugehörigen Empfehlung Nr. 1 usw.)

  1. Medialer zwischenmenschlicher Austausch: wir stehen oder sitzen nicht mehr zusammen an einem Ort bzw. in einem Raum
  2. Höhere Anstrengung: auch nach vielen Monaten mit den online Trainingsformaten melden Teilnehmer sowie Trainer immer noch, dass es im Vergleich zu Präsenzformaten anstrengender ist (auch die Konzentration zu halten)
  3. Aufwendiges Erlernen neuer online Tools/ Technik: so nutzerfreundlich und quasi-intuitiv diese auch sind, wir müssen uns alle erst einmal einarbeiten; es dauert mindestens zu Beginn eines virtuellen Workshops länger, bis sich alle in den digitalen Anwendungen zurechtfinden
  4. Technikbezogene Nervosität oder Probleme und Mehraufwand: bestimmt hast Du es schon einmal erlebt, dass das Teilen der Bildschirmpräsentation oder Videos nicht funktioniert oder die Technik hängen bleibt; gleichzeitig virtuelle Tools zu steuern und den Trainingsinhalt rüberzubringen ist aufwendig und sozusagen fast eine Doppelbelastung für den Trainer oder Präsentierenden
  5. Fehlende Bewegung vor dem Bildschirm: insbesondere interaktive Präsenztrainings haben durch Gruppenarbeiten und aktivierende Übungen Bewegung gefördert, das tagelange bzw. monatelange reine Sitzen vorm Bildschirm ist nicht allzu gut

Hier nun meine persönlichen Empfehlungen für erfolgreichere online Workshops und virtuelle Trainings/ Coachings:

  1. „Kamera läuft“: wenigstens über den Computer sollten wir uns in die Augen schauen und zumindest einen Teil der Körpersprache mitbekommen; vermeintliche ‚Ausreden‘ wie „zu wenig Bandbreite“ gelten in den meisten Teilen der Welt nicht mehr wirklich; gemeinsame virtuelle Kaffeepausen oder Mittagessen vor dem Bildschirm können je nach Teilnehmergruppe passen, schließlich werden auch virtuelle Whiskeyverköstigungen erfolgreich umgesetzt
  2. Kürzere Lerneinheiten und (noch) mehr Pausen plus hohe Disziplin: was bereits im Präsenztraining gilt, ist in den online Formaten noch wichtiger: häufiger kurz durchatmen und dann aber auch pünktlich wieder „einschalten“
  3. Technik-Learning vorab: wie wichtig eine wirkliche Familiarisierung mit der Technik ist, gab eine Vorstandsvorsitzende neulich offen zu: „Ich hatte mir aus zeitlichen Engpässen nur das Video der Technikeinführung angeschaut anstatt selber live interaktiv mitzumachen – und es ist nicht das Gleiche…“; ich durfte ihr dann 10 Minuten einer Pause widmen und im 1:1 ‚Nachhilfe‘ leisten
  4. Ruhig bleiben und Hilfe nutzen, wenn es technisch mal nicht funktioniert: alle Beteiligten können sich gegenseitig helfen und im schlimmsten Fall einfach 10 Minuten Pause machen und die Probleme lösen; bei den ersten eigenen online Trainings einen technikafinen Co-Moderator nutzen, der eingreifen kann und evtl. ein Backoffice / Second-Level-Support Team anbieten, das den Teilnehmern im Hintergrund per Telefon oder Email helfen kann, so dass der Kurs nicht „gestört“ wird
  5. Bewegungsübungen vor dem Bildschirm: ob Rückendehnungen und -drehungen, Fokussierungsübungen für die Augen (Nähe vs. Distanz) oder ein Abklatschen des ganzen Körpers, es gibt vielfältige Videos zu Übungen für die Arbeit am Bildschirm
  6. Computer vor Beginn neu hochfahren: und bitte alle nicht benötigten Programme schließen, damit der Arbeitsspeicher komplett zur Verfügung steht
  7. Spannende und lustige Ideen vorantreiben wie in der Ideation Phase im Design Thinking über die genannten virtuellen Kollaborationstools u.a. mit einem Wissensquizz wie Jeopardy kommt oft gut an
  8. Kontinuierlich Feedbacks einholen und geben und damit ständig verbessern und weiterentwickeln – auch zwischendrin im virtuellen Training und nicht nur am Ende des Trainings

Damit Euch allen: Noch mehr Erfolg bei der abwechslungsreichen Nutzung von virtuellen Workshops, Trainings und Coachings!

Online Trainings könnten und sollten weiterhin ein Teil von uns bleiben – Stichwort Hybrides Lernen!

Lasst uns alle zusammen ernsthaft und professionell am Ausbau der Digitalisierung des Lernens arbeiten.
Nicht wie ein großes Trainingsinstitut, das zwar 181 digitale Trainings anbietet, dies allerdings nur 9% des Gesamtangebotes darstellt – also 91% Präsenztrainings.
Spannend auch: im Kurs „Digital Business“ werden aktuell 16 Möglichkeiten und nur 1 (!) digitale Veranstaltung angeboten. 😂

Last but not least – nicht nur in eigener Sache: Produkte online kaufen ist meist um einiges billiger als im stationären Handel, weil letzterer hohe Personal-, Miet-, Lagerkosten usw. hat, die über das Internet weitestgehend eingespart werden können – dem ist im virtuellen Training NICHT so, es erfordert sogar noch intensivere Vorbereitung (u.a. Set-up der Kollaborationsboards); also bitte lasst uns mit den Preisen nicht runtergehen, wir sparen ja alle bereits an Hotel- und Reisekosten sowie -zeiten 😊

Was sind Eure Erfahrungen zur Nutzung von virtuellen Weiterbildungsformaten sowie der Bepreisung und auch Eure Meinung zur zumindest teilweisen Weiterführung in der Zukunft?

Ich freue mich über Eure Einblicke…

Liebe Grüße und bleibt gesund

Euer

Arndt Schmidtmayer

Zum Profil von Arndt Schmidtmayer

 

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