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Robin Müller-Schober: Nervosität vor Vorträgen – Wie das Lampenfieber in den Griff bekomme

Es ist Sonntagnachmittag und ich nehme mir etwas Zeit für eine kleine Erholungspause auf dem Sofa. Ein Mittagsschläfchen kann nie schaden. Außerdem soll sich ein Mittagsschläfchen sehr positiv auf meine mentale Leistungsfähigkeit auswirken. Und genau das kann ich jetzt sehr gut brauchen, denn kommenden Dienstagnachmittag um 14:00 Uhr steht für mich eine sehr wichtige Präsentation an.
Nicht das die Präsentation schon herausfordernd genug ist, da das Publikum international sein wird, werde ich auf englischer Sprache präsentieren. Englisch ist zwar nicht meine Muttersprache, jedoch spreche ich fließend und meiner Meinung nach sehr gut. Viele Monate Aufenthalt in englischsprachigen Ländern vor einigen Jahren und regelmäßige Gespräche mit Muttersprachlern geben mir die Sicherheit. Trotzdem ist es nichts Alltägliches, vor allem nicht bei so einem wichtigen Termin.

Ich liege also total entspannt auf meinem Sofa und gehe im Kopf die Struktur der Präsentation durch. Meinen roter Faden.
Check! Der rote Faden passt.
Auch spreche ich gedanklich natürlich alles in englischer Sprache durch. Die Sätze, die ich sagen will, die Geschichten, die ich erzählen will, die „Punch Lines“, die ich betonen will und so weiter.

Perfekt vorbereitet

Ein Lächeln erfasst mein Gesicht. Wow! Ich bin erstaunt, wie perfekt ich die englischen Sätze in ihre grammatikalisch korrekte Form setzen kann. Oder welche Vokabeln ich verwende, um meinen Inhalt genau zu beschreiben. Selbst die korrekte Aussprache der Wörter berücksichtige ich in meinem gedanklichen Prozess. Das bereitet mir Freude.
Besser vorbereitet kann ich also nicht sein. Die Präsentation habe ich voll in Griff und die „Show“ kann beginnen.
So ein Mittagsschläfchen ist Gold wert.

Showtime

Es ist Dienstagnachmittag 14:05 Uhr, der Moderator hat mich eben als nächsten Redner vorgestellt und meine Präsentation hat begonnen.
Jedoch was ich gerade eben erlebe, fühlt sich überhaupt nicht wie perfekt vorbereitet an.

Was ist nur mit mir los?
Wie kann es sein, dass ich auf einmal die Sätze nicht mehr so bilden kann, wie ich das von mir kenne? Warum finde ich nicht die richtigen Vokabeln, um meinen Inhalt zu transportieren? Und vor allem wo ist mein roter Faden hin? Verdammt! Mein Englisch klingt abgehackt und ich fühle mich von Satz zu Satz unwohler.

Analyse der Situation

Was ist passiert?

1. Als ich ganz entspannt auf meinem Sofa lag habe ich mir bewiesen, dass ich es kann. Alles lief in meinen Gedanken super ab.

2. Als ich vor der Gruppe stand und etwas nervös war, bin ich jedoch total gescheitert. Nichts lief mehr so gut wie in meinen Vorbereitungen.

Fazit:

Ich weiß, dass ich das Wissen und die Fähigkeit habe, die Präsentation perfekt abzuliefern. Jedenfalls wenn ich entspannt auf dem Sofa liege.
Jedoch mit einer leichten Nervosität bin ich vor der Gruppe gescheitert.

Ergebnis:

Es liegt also nicht daran, dass ich es nicht kann.
Ich kann es nur nicht in jeder Situation, bzw. in jedem Gemütszustand abrufen!
Entspannt ja, nervös nein!

Kann ich es schaffen, in so einer Situation meinen Gemütszustand zu ändern?
Das wäre eine große Hilfe für das Problem.

No business like showbusiness

Jeder der vor Gruppen sprechen darf, kennt solche Situationen. Es muss nicht ein Vortrag in einer anderen Sprache sein. Es kann auch die Klassenarbeit in der Schule sein, die mündliche Prüfung, das Aufsagen eines Gedichts an Weihnachten, das regelmäßige Teammeeting, der Auftritt mit der Band oder dem Chor und so weiter.

„Lampenfieber“! Was für ein tolles Wort dafür.
Wer das einmalige Gefühl von Lampenfieber erleben darf, ist angespannt und nervös. Der Körper ist davon überzeugt, in einer gefährlichen Situation zu sein und passt seine Funktionen automatisch an.
Unter anderem auch die Gehirnwellenfrequenzen, die bei Lampenfieber in einer höheren Frequenz ihre Wellen schlagen als in einem entspannten Zustand wie zum Beispiel auf dem Sofa.
Solche etwas höheren Frequenzen erreichen die Areale im Hirn wesentlich schlechter oder gar nicht, wo Du Dein ganzes Wissen für die Präsentation abgespeichert hast.

Wir können es auch mit den Radiofrequenzen vergleichen. Die UKW-Sender (Ultrakurzwelle oder FM) erreichen wir in einem begrenzten Sendegebiet und je weiter wir uns von der Sendezentrale entfernen, desto schlechter empfangen wir ihn. Die MW-Sender (Mittelwelle oder AM) erreichen wir über ein wesentlich größeres Gebiet hinaus.

Bei Lampenfiber ist das Gehirn sozusagen im UKW-Modus. Um jedoch die Hirnareale zu erreichen, wo alles für die Präsentation abgelegt ist, benötigt man eher die Mittelwellefrequenz.

„Noch drei Minuten bis zum Auftritt“ …

….singt nicht nur Udo Lindenberg, sondern kann auch eine gute Regel für die Maßnahmen werden, die man wirklich kurz vor einem „Auftritt“ durchführen sollte. Etwas Lampenfieber ablegen und das Gehirn sozusagen etwas austricksen, um besser an die gespeicherten Informationen zu gelangen.
Eine der normalsten Reaktionen kurz vor dem Auftritt aufgrund des Lampenfiebers ist, dass man zum Beispiel nochmals seine Aufschriebe durchgeht, seine Folien betrachtet, die Notizen anschaut und so weiter.
Man hätte jedoch auch noch drei Minuten bis zum Auftritt Zeit, die Bauchatmung einzunehmen.

Die Bauchatmung

Eine charakteristische Eigenschaft von einem entspannten körperlichen Zustand ist die Bauchatmung. Der Körper bewegt über die Bauchatmung die Lunge, um zu atmen.
Keine Panik, Du kannst einatmen so stark Du willst, Du wirst nicht direkt in den Magen oder Darm einatmen. Die Bauchatmung ist nur die Bezeichnung für diese Atemtechnik.
Das kann man bei Lampenfieber gnadenlos zu seinem Vorteil nutzen. Denn wenn ich weiß, dass mein Körper in einem entspannten Zustand automatisch die Bauchatmung einnimmt, kann ich im Umkehrschluss auch versuchen, willentlich in einem Lampenfieberzstand die Bauchatmung einzunehmen.

Versuche Dich doch mal drei Minuten auf die Bauchatmung zu konzentrieren und finde heraus, ob Dich das selbst in einem Lampenfieberzustand etwas beruhigen kann.
Gib einfach nur mal das Wort Bauchatmung in eine Suchmaschine ein und Du bekommst genug Übungsvorschläge.
Auch auf ROBSTR.de/blog findet ihr einen Artikel zum Thema Bauchatmung hier:
https://robstr.de/bauchatmung/

Viel Spaß beim Üben.

Expertenprofil von Robin Müller-Schober

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